„Es war einmal…“

von Elisabeth Claus+Heinz Bartkowski

Bodo Korsig
„Es war einmal…“
 
Bodo Korsig hatte bei „papier=kunst 4“, 2001, einen Raum im KunstLANDing mit schwarzen, gegossenen Papierobjekten gestaltet, deren abstrakte, minimalisierte und fragmentierte Formensprache einen reichen Assoziationsraum eröffnete.
 
In diesem Jahr ist er mit Arbeiten zurückgekehrt, die einen ganz neuen Arbeitsansatz präsentieren: mit 47 an altertümliche Maschinenteile erinnernde Formen aus weißem Papierpulp hat er unseren 12 x 5 m großen Raum gestaltet, der dadurch einen Erinnerungs- und Meditationscharakter erhält und den Betrachter auf eine Reise in die Vergangenheit führt. Bis auf fünf Teile an der Wand hat der Künstler die Formen auf dem Boden so aufgebaut, dass das Arrangement an eine archäologische Fund- und Ausgrabungsstätte gemahnt. Der Boden des Ausstellungsraumes aus alten Holzdielen mit unzähligen Alters- und Gebrauchsspuren verstärkt diesen Eindruck.
In einem Gespräch vor dieser Installation erwähnt Bodo Korsig, dass die entstandene Anordnung ein Versuch sei, Ordnung zu schaffen; den Raum zu inszenieren gleiche dem Schaffen eines Bildes. Ein Teppich der Erinnerung ist ausgebreitet, der offen lässt, ob die Gegenstände die Hinterlassenschaften nach einer Katastrophe sein könnten, zurückgelassen von Menschen, die abwesend sind oder aufgereihte Ausgrabungsreste. Bewusst hat der Künstler auf die Farbe Schwarz verzichtet, um die Wirkung offen zu halten, die Installation nicht mit zu viel Bedeutung aufzuladen.
 
Die Arbeitsweise ist die vertraute: unbedrucktes Zeitungspapier und Baumwolle wird gehäckselt, aufgekocht und zu einem Papierbrei verarbeitet, mit dem Bodo Korsig größere Teile ummantelt oder kleinere gießt und formt. Das Weiß ist nur teilweise sparsam eingefärbt, um den Formen Patina zu verleihen, so als wenn sich Staub und Asche auf die Fundgegenstände gelegt hätten, um das Vergehen der Zeit sichtbar werden zu lassen.
Die Materialität der Formen täuscht auf den ersten Blick vor, sie seien aus Gips oder Stahl, erst langsam erschließt sich ihr wahrer Materialcharakter; die Maschinenteile aus einer anderen Zeit beginnen zu sprechen und in einen Dialog mit dem Betrachter einzutreten und lassen ihn vielleicht reflektieren über den Beginn der Industrialisierung, den Beginn der Mobilität.
Der Künstler selbst sagt, dass er sein Ziel erreicht sähe, wenn zwischen Betrachter und den Werken eine „sprachlose, bildhafte Kommunikation“ zustande käme.