one of a kind

von Ingeborg Besch

Memory-Things in Space

Die Bildhauerzeichnung ist eine bekannte Gattung , die Bildhauermalerei dagegen eine Neuerfindung. Bodo Korsig, derzeit mit seinen skulpturalen Arbeiten in der Stadtgalerie Saarbrücken zu sehen, zeigt vom 20. März bis zum 23. April „Bildhauer-Bilder“ in der Galerie Besch.
Im Unterschied zur grafischen Arbeit, meist auf Papier, die dem Bildhauer der Entwicklung der Form dient, zeichnet sich Malerei durch die Farbe aus. Bodo Korsigs Werkgruppe „Memory-Things in Space“ spricht in intensiven Tönen, in kräftigen Rot-, Blau-, Gelbockertönen auf Aluminium. Sie führten den Bildhauer nicht zur Skulptur hin, sondern er hat sie umgekehrt von dieser abgeleitet.
Zunächst mag die Magie der Farbe in ihrem scheinbar gleichmäßig deckenden Auftrag und wenig modulierten Flächigkeit geradezu in Signalwirkung die Aufmerksamkeit fesseln. Sie affiziert uns bekanntlich nicht im cognitiven Bereich intellektueller Analysen, sondern im schwer fassbaren Ahnen und Fühlen. Die Strukturen, die sich auf und in diesen Gründen tummeln, reizen den Denkapparat: Was könnte das darstellen? An was erinnert mich das?  Im Beobachten, also in der Zeit, differenziert sich die Farbe, erwächst die Wechselwirkung aus Motiv und Grund und Raum, Farbfläche wird zum Farbraum, pulsierend das Strukturgebilde, Untiefe, Bewegung, Spannung, erstaunliche Prozesse bei geringem Aufgebot an Euqipment.
„Memory-Things in Space“ – der Titel darf gerne mitsprechen. Was sind Memory-Things. Die Dinge selbst, an die wir uns erinnern? Sieht so z.B. das Erinnerungsding „Abiturprüfung“ aus oder die überwältigende Erinnerung an die Geburt meines ersten Kindes? Wir erinnern auch in Bildern, aber die Bilder ohne die dazu gehörenden Gefühle? Diese Fülle an Lebensgefühlen, die ihre jeweiligen Ketten an Ereignissen hervorrufen, entsteht durch biochemische Strukturen und Substanzen, ein Großteil davon im Gehirn. Eine Erinnerung ließe sich also theoretisch im Reagenzglas konservieren?
Wenn Bodo Korsig ein überdimensioniertes Gehirn silbern spiegelnd als Reliefarbeit gestaltet, gibt er uns den Nukleus, den Ursprung seines Formenreichtums – im doppelten Sinn. In diesem Zentrum erschaffen wir die Welt und der Künstler seine Formen. Ohne den Gegenpol allerdings wäre diese Welt nicht die Menschenwelt: Körper, Leib, Blut. Sperma- und Gedankenform.

Malerei ist nichts anderes als „reflection of light“ sagt Bodo Korsig. Denn Licht trifft auf Materie, wird zurückgesandt, reflektiert, aber je mach Beschaffenheit der Materie eine gewisse Anzahl an Wellenlängen und schon haben wir die Farbe, die farbige Erscheinung. Und den unerschöpflichen Reichtum an Emotionen, Assoziationen, die die Farben im betrachtenden Subjekt hervorrufen. Und den unermesslichen Reichtum an Strukturen. Oder die Möglichkeit dem betrachtenden Subjekt mit dem dazu gehörenden Gehirn Dreidimensionalität, Volumen zu suggerieren, wo nur Fläche ist.

Die tief dunklen Strukturen erhalten Volumen durch die Bewegung ihrer Grenzlinien, es baucht und zieht sich zusammen. Die scharfe Begrenzung sagt uns: durchbrochenes Motiv auf rotem oder blauem Grund. Aber die Farbe der Binnenstruktur weicht in Nuancen ab, also keine Raumkontinuität. Dafür räumliche Irritation, Unlogik, das erwartete tritt nicht ein, räumliches Chaos. So spielerisch leicht diese scheinbar übersichtlich strukturierten Bilder erscheinen, so verblüffend komplex ist die Kettenreaktion in Gehirn und Bauch, die sie lostreten. Was kann man sich mehr wünschen – von Malerei?